Namen in Weipert

Schmiedel, Schmiedl und Schmidl

Im bömischen Grenzland zu Sachsen gab es sehr viele Namensinseln. So war der Name Iser in Reischdorf sehr verbreitet, böse Zungen behaupten in Reischdorf gab es nur Iser. In den umliegenden Ortschaften war der Name selten, in Weipert gab es nur 8. Fragt man einen Weiperter nach dem Namen, so ertönt häufig die Antwort: "Schmiedl, aber ohne E", also Schmidl (heutzutage kaufen viele beim Liedl und meinen den Lidl). Bei den ersten Einwohnern war die Schreibweise des Namens den Kirchenbüchern "Schmiedel" oder in der Berni Rula* noch „Schmiedl“, ab ca. 1700 ist dem Kirchenbuchschreiber der Buchstabe "e" verloren gegangen! Ich vermute, es war Absicht, man wollte die katholischen Schmiedel in Weipert von den protestantischen Schmiedel in Bärenstein unterscheiden. Die Geschichte mit dem kleinen Schmiedel in der "Chronik der Stadt Weipert", der wegen seiner Figur zum kleinen Schmidl wurde gehört also zur "Märchenwelt". Die Familie um Postmeister Schmidl hatte alles, Ansehen, Reichtum, die Kinder waren mit anderen wohlhabenden Familien verheiratet. Wie konnte man das Ansehen stärken? Heute kaufen sich manche Menschen einen Adelstitel. Damals war es ähnlich, man suchte Vorfahren mit dem Namen "Schmidl" und wurde im fränkischen! Ingolstadt fündig. Man übernahm das Wappen, versah es mit Schleife und Schriftzug "Unsere fränkischen Vorfahren". Hätte man im Kirchenbuch gesucht, wäre man bald auf den Namen "Schmiedel" gekommen und hätte nicht nach Schmidl in Franken gesucht.

Laut Adressbuch der Stadt Weipert aus dem Jahr 1931 gab es 325 Schmidl, 109 Schmiedl und 2 Schmiedel, alle über 21 Jahre alt. Zählt man Kinder und Jugendliche mit so waren es 400 bis 450 Schmidl.

Der Name Schmiedel ist in Bärenstein verbreitet. Weipert und Bärenstein sind nur durch den Pöhlbach als Grenzfluss getrennt. Dicht war die Grenze selten, gepascht (geschmuggelt) oder geposcht wie die Weiperter sagen wurde fast immer. Zu Eheschließungen kam es kaum, Bärenstein liegt in Sachsen und die Sachsen sind ja protestantisch*, die Weiperter aber katholisch. Mischehen wurden von beiden Seiten nicht gerne gesehen, lieber zahlte man Alimente.

Etwa 4 km von Weipert entfernt liegt Schmiedeberg am NW-Hang des Erzgebirges. Laut Adressbuch aus dem Jahre 1923 gab es 101 Haushaltungsvorstände Schmiedl, aber keine Schmiedel und Schmidl. Nach Erzählungen verteidigten sich die Schmiedeberger Bossn erfolgreich und "schlagkräftig" gegen "Wilderer" aus Weipert. Im Trauungsbuch der Pfarrei Schmiedeberg ist im Jahr 1900 kein einziger in Weipert geborener Ehepartner aufgeführt. Da war den Schmidl's aus Weipert der Weg nach Schmiedeberg wohl zu gefährlich! Umso erfolgreicher wilderten die Schmiedeberger in Weipert. Die 109 Schmiedl in Weipert waren wohl fußkranke Schmiedeberger, die den steilen Heimweg nicht mehr schafften und daher in Weipert blieben.

So blieben die Schmiedel aus Sachsen, die Schmiedl aus Schmiedeberg und die Schmidl ohne "e" aus Weipert unter sich, auch in Reischdorf heirateten Iser weiterhin Iser, ein Graus für jeden Ahnenforscher.

* Berni Rula – Steuerrolle von 1654
* In alten Kirchenbüchern steht „protestantisch“, in neueren „evangelisch“

Pasler, Paßler, Päsler, Päßler .....

Die Schreibweise ist sehr unterschiedlich, doch sie gehörten zur gleichen Familie. Die Pasler aus Weipert waren vermutlich Nachkommen von Südtiroler Exulanten. Da die alten Kirchenbücher während der Reformation/Gegenreformation vernichtet wurden, ist ein Nachweis nicht möglich.
Der älteste im Kirchenbuch von Weipert nachweisbare Päßler ist Adam Päßler und seine Ehefrau Saloma, 11 Kinder hatten sie. Einige weitere Daten lassen sich noch aus der "Geschichte der Stadt Weipert (Schmidl-Luft)" ableiten.
Die Pasler's wurden von vielen Genealogen sorgfältig erforscht. Ich habe die Arbeiten dieser vielen Genealogen nicht kopiert! Bei mir finden sie nur Pasler aus den Kirchenbüchern von Weipert und den umliegenden Orten. Weitere Pasler finden sie bei "Google".

Johann und Maria

Unsere Vorfahren waren nicht sehr einfallsreich wenn es um Vornamen ging. In der Regel erhielt der erstgeborene Sohn den Vornamen des Vaters, die erstgeborene Tochter den Vornamen der Mutter. Der Vorname des/der Taufpaten/in ergänzte die Reihe der Vornamen. Beim Vater Johann erhielt der Erstgeborene ebenfalls den Vornamen Johann. Oft findet man in einer Familie jedoch 2 Kinder mit dem gleichen Vornamen. Die Kindersterblichkeit war groß, wenn der erste Johann starb, dann erhielt der nächste neugeborene Sohn diesen Namen, bis irgendein Johann überlebte. Probleme gab es bei der Unterscheidung zwischen Vater und Sohn Johann, der Sohn war der Hans. Leichter war es mit Maria. Maria war die älteste, dann folgten Marie, Maritsch oft auch Ritsch und Mizzi. Mizzi war die jüngste und wurde oft Miez gerufen. Selbst Mia und Mimi habe ich bei Maria gefunden.

Hausnamen

Den Namen Anna Bartl gab es 27 mal in Weipert, dazu über 400 Schmidl. Zur Unterscheidung benötigte man den Hausnamen, oft war der Familienname kaum bekannt. Hausnamen kamen oft von den Berufen die ausgeführt wurden, oft auch Vornamen, Spitznamen und andere Besonderheiten.
Einer von vielen Hausnamen in Weipert war Regenschirm-Villa. Während der Bauarbeiten stolzierte der künftige Hausbesitzer mit aufgespannten Regenschirm auf seiner Baustelle herum. Das Haus war noch nicht fertig, aber der künftige Hausname schon bekannt.
Am Schneiderhofweg war der "Zugamochter Huf", ein Vierseithof. Die Straße führte durch das Anwesen. Abends wurden die beiden Hoftore geschlossen, der Huf war zugamocht und die Straße für den Verkehr gesperrt.
Ob die folgende Geschichte stimmt weiß ich nicht, sie klingt glaubwürdig. Franz hatte einen wunderschönen Nussbaum im Garten, daher war er der Nußbam-Fronz. Dieser Hausname ärgerte ihn, daher sägte er den Nussbaum um. Doch Hausnamen ändern sich nicht so schnell, fortan war er der "ogehockte Nußbam-Fronz" (abgehackte Nussbaum-Franz). Hausnamen blieben erhalten, auch wenn sich der Beruf oder der Besitzer änderten, er änderte sich nur bei neuen Besonderheiten, wie beim Franz.

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