Christa Hermine

Meine Schwester Christa Hermine wurde am 21. Dezember 1934 in Weipert am Ziehbusch geboren. Bei der Entbindung gab es Schwierigkeiten, Christa war geistig behindert, vermutlich Sauerstoffmangel. Zur damaligen Zeit gab es keine Entbindung im Krankenhaus oder gar einen Kaiserschnitt. Da drückte eine Hebamme solange herum, bis "Etwas" heraus kam. Die Anzahl geistig oder körperlich behinderter Kinder in Weipert war groß, wie mir eine Cousine erzählte.

1939 war der Einmarsch der Deutschen, 1940 wäre Christa Hermine in die Schule gekommen, das war vermutlich der Zeitpunkt an dem meine Schwester in die Landesanstalt nach Dobřany (Dobschan) kam. Der Ort war von 1939-1945 auch unter den Namen „Wiesengrund“ bekannt. Das alles fand ich aber erst 1992 heraus.Ich wurde 1941 geboren, meine Schwester habe ich nie kennen gelernt. Über Christa Hermine wurde nie gesprochen, wenn ich meine Eltern über meine Schwester befragte bekam ich keine Antwort. Mein Vater sagte nie etwas, er hüllte sich in Schweigen, meine Mutter bekam stets einen Weinkrampf und erzählte Christa war ein liebes braves Mädchen. Das „liebe brave Mädchen“ habe ich oft gehört, übersetzt hieß das für mich, du bist ein böser Junge. Gestorben sei sie bei Kriegsende in Brüx. Ein genaues Datum wurde mir nie gesagt. Meine Mutter flüchtete am 8.Mai 1945 mit mir von Brüx zur Großmutter nach Weipert Schneiderhofweg. Meine Schwester wäre somit vor dem 8. Mai 1945 gestorben. Auch die Verwandtschaft schwieg über Christa Hermine. Irgendwann gibt man das Fragen auf.

Ich wurde 1941 geboren, meine Schwester habe ich nie kennen gelernt. Über Christa Hermine wurde nie gesprochen, wenn ich meine Eltern über meine Schwester befragte bekam ich keine Antwort. Mein Vater sagte nie etwas, er hüllte sich in Schweigen, meine Mutter bekam stets einen Weinkrampf und erzählte Christa war ein liebes braves Mädchen. Das „liebe brave Mädchen“ habe ich oft gehört, übersetzt hieß das für mich, du bist ein böser Junge. Gestorben sei sie bei Kriegsende in Brüx. Ein genaues Datum wurde mir nie gesagt. Meine Mutter flüchtete am 8.Mai 1945 mit mir von Brüx zur Großmutter nach Weipert Schneiderhofweg. Meine Schwester wäre somit vor dem 8. Mai 1945 gestorben. Auch die Verwandtschaft schwieg über Christa Hermine. Irgendwann gibt man das Fragen auf.

1939 war der Einmarsch der Deutschen, 1940 wäre Christa Hermine in die Schule gekommen, das war vermutlich der Zeitpunkt an dem meine Schwester in die Landesanstalt nach Dobřany (Dobschan) kam. Der Ort war von 1939-1945 auch unter den Namen „Wiesengrund“ bekannt. Das alles fand ich aber erst 1992 heraus.

Meine Mutter starb 1971, mein Vater 1992. Im Nachlas meines Vaters befand sich ein Schuhkarton mit Familienbildern, leider nicht beschriftet. Mit diesen Bildern startete ich die Ahnenforschung. Schwerpunkt war natürlich meine Schwester. Ich fuhr zum Standesamt in Brüx, kein Eintrag in den Sterbebüchern. Christa Hermine soll in den letzten Kriegstagen gestorben sein, fehlte da etwa ein Eintrag? Eine Cousine verriet mir nach dieser langen Zeit, Christa Hermine war in einer Anstalt, so eine wie in Haar bei München, da wusste ich Bescheid. Ich schrieb das Archiv in Pilsen an, keine Antwort. Das Zentralarchiv in Prag schrieb ich solle mich an das Standesamt in Dobřany wenden. Damals hatte ich nicht geglaubt, dass das Standesamt die Daten der Landesanstalt hat. Noch bevor ich das Standesamt anschrieb kam eine Nachricht aus Dobřany, wenn ich meine Urkunden mitbringe kann ich die Sterbeurkunde meiner Schwester abholen. Prag hatte meine Anfrage an das Standesamt in Dobřany weitergeleitet.

Also ab ins Auto und mit Ehefrau nach Dobřany. Die Standesbeamtin hatte die Urkunde bereits vorbereitet, nach einigen Formalitäten hatte ich die Urkunde. Die Standesbeamte sprach kein Deutsch und holte den Archivar als Dolmetscher. Das Kirchenbuch ließ sie offen liegen und so konnte ich einiges lesen. Es gab nur 2 Todesursachen bei den 10 Verstorbenen dieser Seite, eine davon war „tuberculosica idiotica“. Diese Todesursache ist falsch, Christa war nicht auf Grund von Tuberkulose (Tuberkulose in fortgeschrittener Form konnte früher zur „Idiotie“ führen), sondern von Geburt an geistig behindert. Das Kirchenbuch ist „getürkt“! Deutsche wurden vertrieben, zwangsumgesiedelt, ein Kontakt zu Angehörigen war somit unmöglich. In Dobřany war eine Anstalt mit geistig behinderten Deutschen, wohin mit den Insassen? Unbestätigten Zahlen zufolge sollen es 2000 gewesen sein.

Lt. Geschichte der Stadt Dobřany Seite 126 wurde am 16. April 1946 die Hauptaussiedlung (für mich Vertreibung) der Sudetendeutschen nach Deutschland beendet. War damit auch das Schicksal der vermutlich 2000 Anstaltsinsassen besiegelt? Sie wurden mit Sicherheit nicht vertrieben/ausgesiedelt, wohin? Für mich war es Mord, Mord verjährt nicht! In Deutschland werden KZ-Aufseher nach 70 Jahren noch angeklagt. Nur in Tschechien werden diese Gräueltaten von den immer noch gültigen Benesch-Dekreten gedeckt.

Nach dem Verlassen des Standesamtes haben wir einen Tschechen nach dem Weg zur Landesanstalt befragt, er schaute uns mit großen Augen und ungläubigen Gesicht an, für ihn waren wir 2 verrückte Deutsche, die ins Irrenhaus wollten. Die Landesanstalt, ein riesiges Anlage existiert immer noch, Schwerpunkt ist Rauschgiftsucht. Ich wollte mehr über meine Schwester erfahren und ging zur Verwaltung. Meine Ehefrau weigerte sich mitzugehen, ich sagte, wenn ich in einer Stunde nicht zurück bin, dann haben sie mich behalten, du kannst dann alleine heimfahren! Meine Frau blieb im Auto sitzen und wartete etwa 3 Stunden, da bekam sie schon Angst. Das Personal war freundlich und holte zig Bücher aus dem Archiv, leider ohne Erfolg bei der Suche.

Da über Christa Hermine nie gesprochen wurde, kann ich einiges nur vermuten. Vermutlich haben meine Eltern nichts davon gewusst. Bei der Vertreibung hatte meine Mutter auch Mädchenkleidung eingepackt, scheinbar in der Hoffnung ihre Tochter wiederzusehen. Einige Pullover durfte (musste) ich in den Nachkriegsjahren auftragen. Laut Erzählungen verschiedener Verwanden liebte meine Mutter Christa Hermine trotz ihrer Behinderung abgöttisch. Meine Mutter wurde krank, sie lag pro Jahr 3-4 Monate im Krankenhaus. Körperliche Krankheiten, aber auch seelische Krankheiten. Ihr Zustand besserte sich in den 1960er Jahren, aber gesund wurde sie nicht mehr. Meine Eltern brachen viele Kontakte zur Verwandtschaft ab. Als Kind erfährt man nicht alles!



Christa Hermine wurde am 19. März 1946 ermordet!

Die Vertreibung in Dobrany wurde am 16.April 1946 beendet.

Am 19. Mai 1946 wurden meine Eltern und ich aus Weipert vertrieben.

Meine Mutter starb 1971 nach vielen Krankenhausaufenthalten!

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